«Gerade heute habe ich die 3D-Brillen bestellt für die Plattentaufe im bee-flat», erzählt Jan Galega Brönnimann. Wie schon bei früheren Produktionen hat die Berner Band Brink Man Ship um den Klarinettisten und Saxofonisten Brönnimann für ihren visuellen Auftritt mit Heinz Widmer vom renommierten Büro Destruct zusammengespannt. Diesmal blieb es jedoch nicht bei der Gestaltung des Plattencovers. Widmer entwarf zur Musik von Brink Man Ship Visuals, um die Konzerte zu untermalen – einige davon nicht bloss animiert, sondern gar dreidimensional. Deshalb mussten die Brillen her.
«Wunschliste» an die Mitmusiker
Aber auch auf seinem angestammten Terrain, der Musik, experimentiert Brink Man Ship – was so viel wie Risikopolitik bedeutet – gerne mit neuen Technologien und Arbeitsweisen. «Instant Replay», so der Titel der neuen CD, ist das Ergebnis einer Internet-basierten Kollektivkomposition, wie es die Musiker nennen. Was muss man sich darunter vorstellen? «Durch die vielen Konzerte in den letzten Jahren hat sich einiges an Material angesammelt», erklärt Brönnimann. «Aus diesem Ausgangsmaterial haben wir die starken Momente herausgepickt. Jeder hat damit weitergearbeitet und die Resultate den anderen zugeschickt.»
Neben dieser ungeordneten Herangehensweise hat Brönnimann eine Art «Wunschliste» für Beats, Gitarrenriffs oder Basslinien an die Mitmusiker verschickt. So entstand nach und nach eine akustische Partitur der neuen CD, welche als Vorlage für die CD-Aufnahmen im Studio diente.
Vertrackte Beats
«Instant Replay» ist ein wilder Ritt durch eine hektische und raue Beat- und Klanglandschaft. Dagegen halten die Musiker immer wieder kontrapunktische Momente der Ruhe und des Wohlklangs, was die Unrast nur noch schärfer hervortreten lässt. Der Anspruch von Brink Man Ship, mit «Instant Replay» einen «urbanen Mix voller Gegensätze» zu kreieren, trifft für diese Musik exakt zu – sofern man unter Urbanität nicht die putzige und doch verstaubte Berner Altstadt, sondern den harten Asphalt des Bollwerks versteht.
Im Gegensatz zu früheren Produktionen der Band, etwa der CD «Right Place to Be Lost», sind die Beats auf «Instant Replay» gebrochener und vertrackter geworden. Rhythmische Patterns flies-sen ineinander und kontrastieren sich. «Früher haben wir schon auch mal ein Auge auf den Dancefloor geworfen und uns gefragt, ob dieser oder jener Beat tanzbar ist», führt Brönnimann aus. «Auf ‹Instant Replay› ist das kein Kriterium mehr. Denn die Gefahr ist, dass es schnell nach Fusion klingt. Und anbiedern wollen wir uns nicht.»
Brink Man Ship besteht seit vierzehn Jahren in derselben Formation. Mit der mittlerweile sechsten CD, «Instant Replay», hat die Band eine musikalische Geschlossenheit erreicht, die ihresgleichen sucht. Das tut der Experimentierfreude der Band keinen Abbruch. Im Gegenteil: Brink Man Ship betreibt seine musikalische Risikopolitik konsequenter als je zuvor.





